Slowenischer Hochalpinweg Tag 14 – Soča
Start: Pogačnikov dom na Kriških podih
Ziel: Camping Platz Trenta
Strecke: 25 km
Aufstieg: 1400 hm
Abstieg: 2700 hm
Marc hatte sich entschieden, mich noch ein Stück zu begleiten – Gesellschaft auf dem Weg. Unsere Routen unterscheiden sich zwar, und eigentlich macht er deutlich weniger Höhenmeter, aber für heute passte es. Margaux und Joaquim, die uns schon die vergangenen beiden Tage begleitet haben, waren schon zeitig aufgebrochen. Wir waren uns sicher, sie später an dem Pass wiederzutreffen, wo ihr Bus nach Maribor fahren sollte.
Der Tag führte insgesamt bergab, was aber keineswegs bedeutete, dass es keine Anstiege gegeben hätte. Laut Route lagen zwei Gipfel auf dem Weg: Razor und ein weiterer, von dem ich den Namen nicht mehr weiß, den ich später bewusst ausgelassen habe – eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte.


Steil bergauf durch Stein und Staub
Schon am Morgen begann der Tag mit einem steilen Anstieg durch eine karge, fast mondähnliche Landschaft. Der Boden bestand aus losem Geröll, der Aufstieg war mühsam und fordernd. Marc ließ es gemächlicher angehen, während ich in meinem Rhythmus weiterging.
Am Sattel angekommen, ließ ich meinen Rucksack als Markierung für Marc zurück und stieg nur mit Garmin, Stöcken und Handy auf den Gipfel des Razor. Zuerst verlief ich mich ein Stück – und weil ich ungern umkehre, querte ich über Schotterhänge zurück auf den eigentlichen Pfad. Nicht gefährlich steil, aber anstrengend genug.


Der letzte Abschnitt war technisch anspruchsvoll. Ich ließ meine Stöcke zurück, um die Hände für die Eisen und Stahlseile frei zu haben. Der Weg führte über blanken Fels, schmal und ausgesetzt, aber faszinierend. Vom Gipfel aus hatte ich einen grandiosen Blick: Ein Rückblick über die letzten zwei Tage hinüber zum Triglav – und ein Ausblick auf das, was noch kommen würde.


Marcs Instagram-Battle und Männergespräche
Als ich zurückkam, fand ich Marc schwer beschäftigt: bewaffnet mit Selfie-Stick und stoischer Geduld, versuchte er, ein Video für Instagram zu drehen. Zehn Versuche später hatte er endlich eine Version, mit der er zufrieden war. Ich hatte mit eiserner Geduld gewartet und nur wenig gemeckert.

Der Abstieg danach war technisch fordernd, aber gesegnet mit weiten Panoramen. Wir hielten oft an, um Fotos zu machen und die Aussicht aufzusaugen. Einer der Vorteile, nicht allein zu gehen: Man landet auch mal selbst auf einem Bild.
Zwischendurch sprachen wir über das, worüber Männer auf langen Wegen eben so sprechen – Frauen, Beziehungen, das Leben. Leicht, ehrlich, gerade weil wir beide so eine Begeisterung für die Berge und ihre Weiten teilen.




Am Pass
Am Treffpunkt am Pass wartete Margaux bereits bei einer Tasse Kaffee auf uns. Joaquim hatte sich noch an den zweiten Gipfel gemacht – ein Stück Weg, das Marc und mir an diesem Tag zu viel geworden wäre. Wir wussten noch nicht genau, wo wir übernachten würden und mussten auf jeden Fall noch einige Kilometer weiter, da sich sonst die nächste Etappe kaum schaffen ließ. Geplant war ein schwerer Anstieg gleich am Morgen und noch einige Kilometer über das Hochplateau. Manchmal liegen die Hütten einfach ungünstig. Dann wird es entweder ein sehr kurzer oder eben ein sehr langer Tag.

Marc hatte keine Lust mehr auf eine teure Hütte an der Straße und schlug vor, stattdessen auf einem Zeltplatz in Trenta zu übernachten. Also beschlossen wir, dort in seinem Zelt zu schlafen. Ein Zelt, eine Dusche, ein Abendessen – das klang nach Luxus.
Auf dem Weg dorthin waren noch ein paar Hütten, doch die waren entweder voll, zu teuer oder nicht gut erreichbar. Marc hatte an diesem Punkt genug für den Tag. Sein Knie machte sich bemerkbar, und die Aussicht auf einen bequemen Sitz im Auto war einfach zu verlockend, also blieb er noch eine Weile sitzen und nahm etwas zwei Stunden später den Bus. Ich habe mich die letzten 10 km alleine auf den Trail verabschiedet.
Runter ins Paradies
Unten im Tal, entlang des Soča-Flusses, verwandelte sich die Anstrengung in reine Begeisterung. Der Weg führte durch weichen Wald, begleitet von glasklarem, türkis schimmerndem Wasser. Ich fühlte mich wie verzaubert. Das Rauschen des Wassers mischte sich mit dem Duft von feuchtem Moos, und jedes Mal, wenn die Sonne kurz durchbrach, glitzerte der Fluss wie flüssiges Glas.


In meinem Kopf lief schon der Plan, direkt nach der Ankunft in die kühlen Fluten zu springen – als symbolische Waschung nach einem Tag, der mich leer und lebendig zugleich gemacht hatte.
Wir erreichten den Zeltplatz fast zur selben Zeit, bauten auf, duschten heiß und trampten danach noch etwa drei Kilometer, um einen kleinen Supermarkt und ein Restaurant zu erreichen. Dort deckten wir uns ein mit Schokolade, Limonade und – in meinem Fall – einem neuen Notizblock ein.
Beim Essen merke ich, wie sehr der Körper längst seinen eigenen Rhythmus gefunden hat. Ich könnte inzwischen jeden Abend zwei Mahlzeiten essen. Leider ist das auf den Hütten meist zu einseitig und zu teuer. Also hole ich das nach, sobald ich in eine Ortschaft komme. Das erste Gericht ist dann immer ein großer Salat – Gemüse kommt hier einfach zu kurz. Das zweite ist eine ordentliche Fleischplatte mit Pommes – ein Klassiker hier in Slowenien. Ich versuche, so viel Fett und Energie in mich hineinzuschaufeln, wie ich kann. Voll fühle ich mich danach trotzdem nicht.
Ich hatte nur einen dünnen Hüttenschlafsack und eine aufblasbare Matte dabei, falls eine Hütte mal überfüllt sein sollte. Tatsächlich war das nie nötig, doch gerade für diesen Abend im Zelt kamen sie mir zu Gute. Reserviert hatte ich nur einmal – an der Hütte unterhalb des Triglav, wo ich mit großem Andrang gerechnet hatte. Sonst war ich oft der Einzige.


Entdecke mehr von HEVIKEJ
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.











No Comments