Slowenischer Hochalpinweg Tag 16 – Durststrecke
Start: Hütte Majerca
Ziel: Koča na planini Razor
Strecke: 32 km
Aufstieg: 1600 hm
Abstieg: 1800 hm
Einer dieser Tage, die sich schon am Morgen wie ein Vertrag anfühlen. Je nachdem, wie die Hütten liegen, steht man vor der Wahl: ein sehr kurzer oder ein sehr langer Tag. Da ich mich meinem Ziel bereits näherte und für den kommenden Tag schlechtes Wetter gemeldet war, entschied ich mich bewusst für die lange Variante.
Nach dem vorhergehenden Tag fühlte sich der Morgen zäh an. Ich kam nicht so recht aus den Federn, frühstückte ausgiebig und brauchte eine halbe Ewigkeit – nach jensschem Maßstab – bis ich loskam. Es gab Brot, Marmelade und Eier. Zeitweise hatte ich das Gefühl, von der Bewirtung mit Absicht ignoriert zu werden. Alle bekamen dasselbe Essen, nur an mir liefen sie ständig vorbei. Eigenartig, welche Gedanken einem in solchen Momenten durch den Kopf gehen.


Der erste Anstieg schlängelte sich direkt von der Unterkunft aus den Hang hinauf. Genau jenen Hang hatte ich am Vorabend noch bei einem alkoholfreien Radler gemustert. Ein Ausweg aus der Kuhle, in der die Hütte lag: grün, voller Blumen und kleiner Sträucher. Idyllisch.
Auf der anderen Seite lagen Überreste vergangener Zeiten aus Stein und Holz. Die Formen der Gebäude gaben mir zunächst keinen Aufschluss über ihren Zweck. Erst später stellte sich heraus, dass es ehemalige Militärgebäude waren.


Der Morgen kam nur langsam in Gang. Meine Notdurft war noch unerledigt, Wasser musste ich ebenfalls auffüllen. Also folgte ich dem Trail weiter bis zu einer Hütte – ein Umweg, eigentlich unnötig, aber manchmal erledigt man sein Geschäft eben lieber bequem. Tatsächlich war es auf dieser Tour nur selten nötig, auf die Natur auszuweichen.
Auf halber Strecke konnte ich rund drei Kilometer abkürzen und einige hundert Höhenmeter einsparen. Ich rang lange mit mir, ob ich den Peak auslassen sollte – nur um es mir ein wenig leichter zu machen. Daran merke ich, dass sich meine Reise dem Ende nähert. Gegen Ende verliere ich fast immer die Lust auf Extraschleifen.


Trotzdem standen am Ende 32 Kilometer und etwa 1.600 Höhenmeter auf der Uhr. Bei meiner Ankunft konnte ich es kaum erwarten, endlich aus den Schuhen zu steigen. Ich gönnte mir sogar eine 5-Euro-Dusche – viel zu kurz, aber himmlisch. Wasser ist relativ, Glück auch. Da ich kein Handtuch dabeihatte und zu geizig war, mir eines zu leihen, blieb es bei der Lufttrocknung. Erstaunlich effektiv.



Mein eigentliches Highlight des Tages lag jedoch abseits des Trails. Der Weg war lang, die Hitze gnadenlos, und mein Tagesziel fühlte sich weiter entfernt an, als es die Karte versprach. Ich war durstig – nicht dramatisch, aber ernst. Dann zeigte die Karte eine Quelle. Vor Ort: nichts. Kein Schild, kein Geräusch. Nur ein kaum sichtbarer Pfad, der steil links ins Gebüsch führte. Nach etwa fünfzig Metern hörte ich es – ein leises Plätschern. Ein Rohr ragte aus einer Mauer mitten im Nirgendwo, aus dem reinstes, eiskaltes Wasser sprudelte. Ein Traum. Genau dann, wenn der Mund trocken und die Sonne unerbittlich ist.


Generell meine Empfehlung für lange Strecken ohne sichere Hütten: lieber drei Liter Wasser einpacken. Manche Hütten haben kein Trinkwasser oder gar kein fließendes Wasser. Dann ist man auf Flaschen angewiesen – 1,5 Liter für 6 Euro. Ich verstehe, dass vieles eingeflogen werden muss. Trotzdem fühlt es sich absurd an. Einmal habe ich einen Wirt auf 4 Euro heruntergehandelt. Nicht aus Geiz, sondern aus Prinzip.
Ohne diesen Fund hätte sich meine Durststrecke bis zum heutigen Ziel fortgesetzt. Kein einziger Tropfen war mehr zu finden. Selbst nach dem Auffüllen hätte es nicht mehr gereicht.

Wenn ich mir die Karte im Nachhinein anschaue, hätte ich den Tag auf zehn Kilometer reduzieren können und wäre dennoch am selben Ziel angekommen. Ist es dann noch derselbe Trail? Man sagt ja, jeder wandert seinen eigenen Weg. Es kommt also darauf an, was man daraus macht. Ich hatte mir jedoch die 400 Kilometer vorgenommen – und die wollte ich auf keinen Fall unterschreiten. Auch wenn es dafür manchmal ein wenig weh tut.
Randbemerkung: In Slowenien scheinen die Tabakgesetze deutlich strenger zu sein als bei uns. Die Packungen sind nicht gebrandet, man sieht nur den Markennamen und die bekannten Bilder der Krankheiten. In den Geschäften habe ich noch keine einzige Tabakware offen ausgestellt gesehen. Ich finde, das sollte bei uns genauso sein. Diese Wände voller Zigaretten an deutschen Kassen – wie ein Süßigkeitenregal für Abhängigkeiten. Rauchen ist ein Thema, das mich selbst stark beschäftigt. Und ich kann nicht nachvollziehen, warum ein so massives Suchtmittel so leicht verfügbar ist.
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